
Der Vorteil des rhythmischen Lebens besteht in dessen Flexibilität. Rhythmen folgen dem Prinzip von Wiederholung mit Abweichung. Sie sind nicht starr und bieten Gestaltungsspielräume. Rhythmen setzen aber auch Grenzen. Wenn diese dauerhaft verletzt werden, führt dies zu Zeitproblemen, die wir ökologische, soziale oder gesundheitliche Probleme nennen.
Am Ende des Mittelalters erfanden Mönche die mechanische Uhr, die nicht rhythmisch, sondern taktförmig funktioniert. Ist die Flexibilität Kennzeichen des Rhythmus, so die Inflexibilität Merkmal des Uhrzeittaktes.
Die Erfindung der Räderuhr veränderte das Zeithandeln grundlegend. Zeit wurde zum menschgemachten, vom Naturbezug gereinigten Konstrukt. Der Vorteil der quantitativen, objektiven Zeit der Uhr besteht in der Vergleichbarkeit von Zeitereignissen. Die qualitätslos gemachte Uhrzeit kann mit nicht natürlichen Qualitäten besetzt werden - bevorzugt mit Geld. Das führte in der Folge zur Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaftsform. Banken wurden gegründet, der Fernhandeln blühte auf, die doppelte Buchführung wurde erfunden.
Seitdem prägt die Formel "Zeit=Geld", die Benjamin Franklin im 18. Jahrhundert in die Welt setzte, die mitteleuropäische Gesellschaft. Die Uhrzeitmenschen sind zugleich Nutznießer und Leidtragende dieser Zeitdynamik. Einerseits hat sich ihr Güter- und Geldwohlstand deutlich erhöht, andererseits aber auch ihre Hetze und Rastlosigkeit. Der Güterwohlstand wurde mit einem Zeitnotstand erkauft.
Das kapitalistische Wirtschaftssystem strebt nach Wachstum und damit nach Beschleunigung. Die Beschleunigung hat jedoch dort Grenzen, wo sie mit der menschlichen und außermenschlichen Natur und deren Rhythmen kollidiert. Zeitprobleme, die sich daraus ergeben, sind Gegenstand unserer Beratung. Dabei wird angestrebt, die objektiv-quantitative Logik der Uhrzeit (Takt) und die subjektiv-qualitativen Naturzeiten der Menschen (Rhythmen) in einen produktiven Zusammenhang zu bringen.